Vierter Reisebericht

Gesendet am Freitag, 24. März 2000

Alle die Mücken für eine Plage halten, hier eine Warnung. In Belize gibt es Sandflys (Sandfliegen), 1mm kleine Bastarde die du dein Leben lang nicht vergisst. Sobald es am Strand windstill wird, kommen sie zu Tausenden. Man sieht sie nicht, man hört sie nicht, nur die Stiche spürt man. Kleine weisse Beulen, das Wochenlang juckt. Man kratzt sich blutig!

Das nur im voraus.

Wir verliessen das heisse tropische, von Sandfly`s geplagte Placencia am 21. Februar. Nach Norden, zurück nach Mexiko. Wir fuhren bis spät in die Nacht, und schliefen im Auto (wir waren ehrlich gesagt mehr damit beschäftigt uns zu kratzen als zu schlafen).

Am Mittag des nächsten Tages erreichten wir Veracruz. Wir fanden ein Hotel, und schliefen den ganzen Tag hindurch (wir waren Schweinemüde).
Tags darauf gings weiter. Wieder Richtung Norden, zurück in die Staaten.
Wir schliefen irgendwo vor Tampico, in einem Hotel (Nachdem wir zum ersten mal bei einer  Strassen-Sperre richtig "auseinander Genommen" wurden. Nadja bemerkte erst viel später das einer der Drogen-Polizisten, ihr neues Paar Turnschuhe gestohlen hatte.).
In Matamoros einer Grenzstadt, wollten wir uns noch mit billigen mexikanischen Zigaretten eindecken. Nachdem beide von uns zwei Stangen hatten, fuhren wir über den Rio Grande in die Staaten.     
Natürlich (wie könnte es auch anders sein) hatten wir am amerikanischen Zoll wieder einmal Pech. Die Flaschen Mescal und jedes Päckchen mexikanische Zigaretten, mussten wir verzollen. Zudem durften wir die zwei Stangen Winston (Ami-Zigaretten!), die wir in Belize gekauft hatten nicht einführen.
Der überfreundliche dicke Zollbeamte erklärte uns, dass seit dem 1.Februar 2000 ein neues Gesetz in Kraft sei, nachdem amerikanische Zigaretten die exportiert worden sind, nicht mehr ins Land eingeführt werden können.
Na klar, dass weiss doch jeder!
Wir können die Stangen ja zurück bringen, meinte er.
Ja genau! Zurück nach Belize.
Oh, dann müsse er die 400 Zigaretten nun zerstören.
Mit entsetzen (jeder Raucher versteht was ich meine) sahen wir zu, wie er ein grosses Messer hervorholte und beiden Stangen in der Mitte zerschnitt.
"Enjoy your stay in the United States."

Nun waren wir wieder in den USA, dem Land der unbegrenzten Preisen. Wenigstens das Benzin ist billig, dachten wir uns.
Und sogleich bemerkten wir an mehreren Tankstellen, dass die Benzinpreise gestiegen waren (Scheiss OPEC!).

In Kingsville, einer typischen kleinen Ami-Stadt nahmen wir uns im Motel 6 ein Zimmer. Es war erst mittag, und so hatten wir Zeit unsere Kleider, und unser Auto (überall war Zentimeter dicker roter Staub von Belize) zu waschen.

Unsere nächste Station hiess Houston. Keine spezielle Stadt (wie übrigens die meisten Städte in Amerika).
Auf dem Weg dorthin passierte etwas, dass jeder von uns aus vielen Ami-Film kennt. Wir passierten gerade ein kleines Kaff, nachdem ich im Rückspiegel ein Polizei-Auto mit eingeschaltem Blaulicht bemerkte.
"Shit Cops!"
Ich fuhr rechts rann, und stieg aus.
"Please step away from the vehicle.", sagte der junge texanische Cop.
Der Grund warum er mich angehalten habe, sei der dass ich nicht schön in der Fahrspur gefahren sein.
Bullshit! Wahrscheinlich wollte er sich aus Langeweile diesen Van mit Californischen Nummernschildern mal genauer ansehen.
"Can I see your drivers licence, please?"
Ich gab ihm meinen übergrossen Schweizer Führerschein.
"Ahh you are from Switzerland!"
Es sei interessant denn ich wäre heute schon der zweite Schweizer den er
angehalten habe.
OHHH MEIN GOTT!! SCHWEIZER INVASION IN TEXAS!!!
Wir redeten noch ein wenig, dann durften wir weiterfahren.

Zwei Tage später, erreichten wir New Orleans, die Stadt am Mississippi von der ich schon so viel gehört hatte. Es war gerade Mardi Gras Saison (Fasnacht), und die Preise der Motels waren dementsprechend hoch.
Abends gingen wir in das schöne "French Quarter", der Altstadt von New Orleans. In einer Live-Jazz Bar assen wir typische Creolische Küche und lauschten der Musik.
Nur war auch hier alles so schweineteuer (ein Bier und eine Cola = 8 Dollar), so dass wir am nächsten Tag weiterzogen.

Zurück in Texas, gings bis nach Dallas. Ich wollte noch am selben Tag ein Eishockey-Spiel der Dallas Stars besuchen. Die einzigen freien Sitzplätze die noch erhältlich waren, kosteten je 120 Dollar! Etwas zu teuer für uns. Es gibt ja noch andere Städte mit Eishockey.

Unsere nächste Station hiess El Paso, dass an der Grenze zu Mexiko liegt. Wir fuhren kurz nach Ciudad Juarez und deckten uns wieder mit billigen Zigaretten und Wasser ein (Psst! Wir schmugelten es in die USA ohne zu verzollen, also nicht weitersagen.)

Tags darauf im Staat New Mexico, besuchten wir dass "White Sands National Monument". Riesige schneeweisse Sanddünen inmitten karger Felsenwüste. Man fühlt sich wie in einer Winterlandschaft, dass aber bei 25 Grad.

Ich wollte unbedingt die nahe Stadt Roswell besuchen (angeblich soll dort 1947 ein UFO abgestürzt sein). Dort angekommen, war es genau so wie ich es mir vorgestellt hatte.
Viele durchgeknallte Alien-Souvenir Shops. Wir besuchten noch ein "amüsantes" Alien Museum, in dem der ganze Roswell-Zwischenfall erklärt wurde.

Am morgen des 7.März (ich werde ihn als den schwarzen Dienstag in Erinnerung behalten), wollten wir Richtung Westen nach Arizona fahren.
Über Nacht fiel die Temperatur unglaublich. Und so kam es das wir inmitten von New Mexiko in einen kleinen Schneesturm gerieten.
Wir passierten die riesigen Radio-Teleskope der "Very Large Arrey" (Kommt im Film "Contact" mit Jodie Foster vor).
Später, bereits in Arizona verlief die Strasse Richtung Tuscon anscheinend über einen Berg (was wir erst zu spät bemerkten). Immer noch schneite es und immer mehr Schnee lag auf der Strasse, bis wir nur noch auf Schnee fuhren.
Dann in einer langen Linkskurve passierte es. Der Schnee wurde zuviel für unsere Reifen (Sommerpneu!).
Der Wagen schliderte plötzlich unkontrollierbar Richtung Abhang! Wir dachten beide, unser letzes Stündlein hätte geschlagen. 
Aber das Glück war uns hold, denn wir wurden Zentimeter vor dem sicheren Absturz von einem kleinen Schneehügel aufgefangen. Nachdem wir uns von dem Schrecken erholt hatten, versuchten ich weiterzufahren. Zwecklos, wir steckten im Schnee fest.
Jeder Versuch den Wagen freizubekommen scheiterte. Wir warten zwei lange kalte Stunden, bis endlich ein anderes Auto auftauchte.
Wir hatten wieder Glück, denn in dem Wagen waren zwölf Mexikaner die uns aus dem Schnee zurück auf die Strasse bugsierten.
Danach musste ich wiederum die Mexikaner anschieben, denn auch sie hatten mühe weiterzufahren.
Mit Schritt-Tempo gings weiter. Es wurde bereits dunkel. Endlich hörte es auf zu schneien und die Strasse wurde wieder Schneefrei.
Nach einem weiteren Schreck, wir stiessen beinahe im Dunkeln mit einer schwarzen Kuh zusammen, erreichten wir die kleine Stadt Safford.

Unseren nächsten Halt legten wir in Tucson ein. Hier war die Temparatur bereits wieder 30 Grad.
Wir besuchten die nahe gelegene Westernstadt Tombstone. Berühmt wurde die Stadt durch seine Western-Helden wie Wyatt Earp, sein Freund Doc Holliday, und sogar die Dalton-Brüder statteten der Stadt hin und wieder einen Besuch ab (meistens der gut gefüllten Bank wegen).

Ich wollte die Chance nützen und im nahen Phoenix ein Eishockeyspiel sehen. Ich reservierte bereits im voraus (billiger dieses Mal. Je 30 Dollar).

Auf dem Weg nach Phoenix besuchten wir die Anlage Biosphere 2. Wissenschaftler bauten in mitten der Wüste eine Art riesiges Treibhaus. Eine zweite kleine Erde, mit kleinem Meer,  Regenwald, zwei Wüsten und eine Grassebene. In dieser völlig von äusseren Einflüssen geschützten Anlage, studiert man den Einfluss von erhöhtem Kohlendioxid auf die Pflanzenwelt. Denn genau das passiert ja auf unserer Erde, der Biosphere 1.

Wir erreichten Phoenix am späten Nachmittag, fanden aber kein billiges Motel. Schlussendlich gingen wir (verspätet) ohne das wir ein Zimmer hatten zum Spiel. Es spielten die Phoenix Coyotes gegen die Vancouver Canucks. Ein gutes Spiel, in dem auch ein paarmal die Fäuste flogen. Phoenix gewann das Spiel 5:0.
Nach dem Spiel ging die Suche nach einem Motel weiter. Bald hatten wir keine Lust mehr, und so fuhren wir auf die nächsten Rastplatz am Freeway und schliefen im Auto.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Norden, am Colorado-River entlang bis zum Valley of Fire Park. Eine beeindruckende Landschaft mit gigantischen feuerroten Felsen.

Abends im einzigen Motel in Glendale (Nevada) beschlossen wir, abermals nach Mexiko die Baja California runterzufahren. Aus dem einfachen Grund, weil dort einfach alles schöner und billiger ist. Ausserdem wollten wir noch ein paar Wochen Badeferien machen.

An der Spielerstadt Las Vegas vorbei gings bis nach San Bernadino. Hier beschlossen wir spontan Steve, im nahen L.A. nochmals zu besuchen.

Die Grenze überquerten wir wieder bei Tijuana, und fuhren bis nach San Vicente. Wir fanden ein kleines einfaches Hotel für 90 Pesos (10 Dollar).

Am frühen Abend des nächsten Tages, kamen wir in Mulege an. Wir nahmen uns ein Zimmer im gleichen Hotel, dass wir schon zwei Monate zuvor bewohnten.
Die Hotel-Besitzerin lud uns zu einem von der Kirche organisierten Frühstück, das im Hotel stattfände ein.
Um halb zehn Uhr des nächsten Morgens gingen wir auf die Terrasse des Hotels um zu frühstücken. Rasch bemerkten wir, dass 90 Prozent der Gäste Amerikanische Senioren waren. Wir unterhielten uns mit drei älteren Amerikanern.
Nette interessante Menschen. Zwei Wissenschaftler im Ruhestand und eine Malerin. Sie gaben uns Tips wohin wir als nächstes gehen könnten.

Ausserdem stahl uns irgend so ein Witzbold alle Radkappen unseres Autos.

So fuhren wir tags darauf die Bahia de Conception, eine schöne geschützte Bucht hinunter, auf der Suche nach einem schönen Plätzchen am Meer.
Mit "EcoMundo" wurden wir fündig. Wir mieteten uns eine (leicht überteuerte) "Palapa", eine aus Palmblättern bedeckten Hütte die nach vorne offen ist.

So relaxten wir zwei Tage lang in unseren "Hamacks" (Hängematten), lasen viel, liessen uns von der Sonne brutzeln (eigentlich nur Nadja) und kühlten uns hin und wieder in der zwei Meter entfernten schönen Bucht ab.
Meine ersten Versuche in einer Hängematte zu schlafen scheiterten kläglich, und so schlief ich schlussendlich (wie Nadja) im Auto.

Nun sind wir am Kap der Baja, in der schönen kleinen Ortschaft Todos Santos.


Also, ich wünsche euch allen eine gute Zeit. Und möge der Frühling in der
Schweiz einkehren, und euch mit viel Sonnenschein beschenken.

Viele Grüsse


Chris   

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Copyright © by Chris Zuest

28.04.05